Haiti liegt in Mittelamerika, im westlichen Teil der Insel Hispaniola, im Osten der Insel liegt die Dominikanische Republik. Der Landesname kommt aus der Sprache der Taínos, der Ureinwohner Hispaniolas, und bedeutet „bergiges Land". Der höchste Berg, der Morne de la Selle (2.680 m über NN), liegt im Südosten des Landes in der Sierra de Bahoruco, unweit der Grenze zur noch gebirgigeren Dominikanischen Republik. Die heutigen etwa 9,7 Mio. Einwohner Haitis sind größtenteils afrikanischer Abstammung. Sie sprechen
Creole, eine Art afrikanisches Französisch. Die offizielle Landessprache ist französisch, aber gerade in ärmeren Gebieten wird das kaum gesprochen.
Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Mehr als 50 Prozent der Gesamtbevölkerung lebt unterhalbder absoluten Armutsgrenze. Zwei Drittel der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sind arbeitslos, rund 40 Prozent der Bevölkerung ist unterernährt. Bildung ist in Haiti nicht selbstverständlich. Nur jedes zweite Kind hat die Möglichkeit zur Schule zu gehen. Jedes Kind das zur Schule gehen will, muss Schulgeld bezahlen. Und das in einem der ärmsten Länder der Welt, in dem die Hälfte der Bevölkerung von weniger als einem Euro am Tag lebt. Deshalb müssen Kinder meist mithelfen und Geld dazuverdienen. Sie arbeiten als Hausangestellte, auf Feldern oder gehen betteln.
Christoph Columbus entdeckte die Insel im Jahr 1492. In den Jahren danach wurde die Urbevölkerung, die Taínos, fast vollständig ausgerottet. Im späten 17. Jahrhundert wurde die Insel durch afrikanische Sklaven, die auf den Zuckerplantagen als Arbeiter eingesetzt wurden, wieder bevölkert. Ende des 17. Jahrhunderts trat Spanien, den westlichen Teil der Insel, das heutige Haiti, an Frankreich ab und dieses Gebiet entwickelte sich zur reichsten Kolonie Frankreichs.
Am 22. August 1791 kam es unter der Führung von Dutty Boukman und Georges Biassou zu einem Sklavenaufstand, der sich zu einem blutigen Krieg entwickelte. Die Ex- Sklaven setzten sich durch. Selbst eine von Napoleon gegen Haitis Nationalheld Toussaint L'Ouverture gesandte Armee wurde geschlagen. Am 1. Januar 1804 erklärte der westliche Teil der Insel Hispaniola unter dem Namen Haiti seine Unabhängigkeit von Frankreich, sein Führer Dessalines erklärte sich nach dem Vorbild Napoleons zum Kaiser und regierte als solcher bis zu seinem gewaltsamen Tod 1806. Haiti war damit die erste unabhängige Republik von Schwarzen und Mulatten, engagierte sich in der Abschaffung der Sklaverei und unterstützte auch andere mittelamerikanische Länder bei ihrem Unabhängigkeitskampf. Da Frankreich als Gegenleistung für die Anerkennung der Unabhängigkeit Haitis im Jahr 1825 Entschädigungen für ehemalige Plantagenbesitzer verlangte, zahlte Haiti jahrzehntelang an Frankreich, insgesamt 90 Millionen Francs d'Or (in heutiger Währung ca. 17 Milliarden Euro).
Diese Zahlungen, die fast das ganze 19. Jahrhundert hindurch andauerten, überstiegen die Leistungskraft Haitis bei weitem. Zusammen mit politischer Instabilität und langjähriger Misswirtschaft führte dies dazu, dass Haiti sich zum Armenhaus Amerikas entwickelte. Seitdem ist der Karibikstaat eines der ärmsten Länder der Welt. Haiti hatte während des größten Teils seiner Geschichte unter Gewaltherrschern zu leiden. Ab 1957 gelang es dem ehemaligen Landarzt Francois „Papa Doc" Duvalier, die Macht an sich zu reißen. Er setzte sich 1964 zum Diktator ein und wurde durch die Tontons Macoutes bekannt, einer Art Geheimpolizei oder Schlägertruppe. 1971 folgte ihm sein Sohn „Baby Doc" Duvalier im Alter von 19 Jahren in der Regierung nach und wurde 15 Jahre später aus dem Land vertrieben.
Nach der Verfassungsreform von 1987 putschte das Militär und regierte bis zu den Wahlen 1990, bei denen Jean-Bertrand Aristide, an den sich viele Hoffnungen knüpften, mit überwältigender Mehrheit zum Präsidenten gewählt wurde. Aber schon 1991 wurde Aristide wieder aus dem Amt geputscht. 1994 konnte Aristide im Gefolge einer US-amerikanischen Intervention (Operation Uphold Democracy) in sein Amt zurückkehren. 1996 übergab Aristide nach Ablauf seiner Amtszeit das Amt an seinen engen Weggefährten René Préval.
2000 fanden umstrittene Parlamentswahlen statt, welche die Partei Aristides gewann. Als Aristide mit über 90 Prozent der Stimmen auch die Präsidentenwahl gewann, wurden Vorwürfe laut, dass die Wahlen manipuliert gewesen seien. Aristide, der einstige Hoffnungsträger, der sein Amt 2001 antrat, verließ 2004 das Land. Während die Opposition und auch die USA sowie Frankreich die Position vertraten, Aristide sei freiwillig ins Exil gegangen, spricht dieser von einem Putsch und betrachtet sich nach wie vor als legitimen Präsidenten des Landes. Seit Februar 2006 ist wieder Preval der offizielle Präsident Haitis. Haiti gilt mittlerweile als zerfallener Staat. Die politische Situation ist in den letzten Jahrzehnten durch wiederholte Putsche, ausländische Interventionen oder Diktaturen mit Ausbrüchen von gewalttätigen Konflikten gekennzeichnet.
Korruption, Verletzungen der Menschenrechte, Straffreiheit, Wahlbetrug, kriminelle Banden, Drogenhandel und die Bereitschaft, Konflikte gewaltsam auszutragen. All das führt gerade in der Hauptstadt Port- au-Prince zum Ausnahmezustand. Die hohe Inflation und die weltweit stark angestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis oder Mais führten im Frühjahr 2008 zu Protesten der Bevölkerung, die in schweren Unruhen mit mehreren Todesopfern gipfelten.